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17. Dezember 2009

Mit Schwarz-Gelb gibt es keinen Weg aus der Kinderarmut!

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!

Im Adventskalender meiner Kinder waren vier Türchen geöffnet, als die schwarz-gelbe Mehrheit in diesem Hause das sogenannte Wachstumsbeschleunigungsgesetz verabschiedet hat, das hier schon mehrfach zur Sprache gekommen ist. Unter anderem  auch das wurde schon gesagt hat dieses Gesetz zur Folge, dass zum Beispiel ich durch den Kinderfreibetrag für jedes meiner beiden Kinder bis zu 37 Euro mehr bekommen kann, dass meine Mitarbeiterin für ihre Tochter 20 Euro mehr Kindergeld bekommt, dass aber Millionen von Kindern in diesem Land von der Regierung zu Weihnachten gar nichts geschenkt bekommen. Diese Kinder sind auf den Kinderregelsatz oder auf den Unterhaltsvorschuss angewiesen. Auf beide Leistungen wird das Kindergeld voll angerechnet.

Den Regierenden fällt nun nichts Besseres ein, als diesen Kindern zu erklären - ich zitiere -„dass sich Leistung in dieser Nation, in Deutschland, wieder lohnen muss“ und dass eine „steuerliche Entlastung ... von Familien nach dem Leistungsprinzip der richtige Weg“ ist. So begründete es der Redner Dr. Hans Michelbach für die CDU/CSU-Fraktion in der Debatte über dieses Gesetz.

(Zuruf von der LINKEN: Herzlos ist das!)

Ich frage: Wer gibt ihnen das Recht, zu sagen: Kinder, ihr habt einfach die falschen Eltern. Ihr müsst von 3 Euro am Tag satt werden, und das Spielzeug zu Weihnachten könnt ihr euch auch nicht kaufen, weil dafür nun einmal nur 62 Cent im Monat vorgesehen sind. Ihr habt einfach Pech gehabt. Meine sehr verehrten Damen und Herren, das Sozialgesetzbuch I beginnt mit den Worten: Das Recht des Sozialgesetzbuches soll zur Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit und sozialer Sicherheit Sozialleistungen einschließlich sozialer und erzieherischer Hilfen gestalten. Es soll dazu beitragen, ... gleiche Voraussetzungen für die freie Entfaltung der Persönlichkeit, insbesondere auch für junge Menschen zu schaffen ... und besondere Belastungen des Lebens ... abzuwenden oder auszugleichen. Genau das leistet der derzeit geltende Regelsatz für Kinder nicht.

(Beifall bei der LINKEN)

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Die Regelsätze für Kinder müssen sich am Leben von Kindern und an deren Bedürfnisse ausrichten. Sie dürfen nicht 60, 70 oder 80 Prozent eines schon ohnehin zu geringen Regelsatzes für Erwachsene betragen. Sie müssen sich vielmehr auf den Bedarf der Kinder beziehen. Genau das hat der Paritätische Wohlfahrtsverband in seiner Expertise gemacht. Ich zeige sie Ihnen noch einmal, weil ich die Befürchtung habe, dass einige in diesem Haus sie noch immer nicht kennen. Ich bitte Sie, sie sich einmal genau anzuschauen. Es sind belastbare und nachvollziehbare Zahlen.

(Beifall bei der LINKEN)

Nun haben Sie im Ausschuss das gilt auch für alle drei Vorrednerinnen und Vorredner   deutlich gemacht, warum Sie unseren Antrag ablehnen wollen. Unter anderem wurde argumentiert, dass Sie erst das Urteil des Bundesverfassungsgerichts im nächsten Jahr abwarten wollen, bevor Sie eventuell eine Änderung bei den Kinderregelsätzen vornehmen. Schließlich könne es ja sein, dass das Gericht nur die Art der Berechnung, nicht aber die Höhe der Regelsätze bemängelt. Dies finde ich vor dem Hintergrund der Aussage eines weiteren Redners der Unionsfraktion in der Debatte zum Wachstumsbeschleunigungsgesetz sehr bezeichnend. Dort sagte nämlich der Kollege Leo Dautzenberg zu den Änderungen beim Kinderfreibetrag und beim Kindergeld Folgendes ich zitiere: Dazu sind wir verfassungsrechtlich nicht verpflichtet, sondern wir gehen sogar über die Vorgaben hinaus. Es ist unserer politischer Wille, darüber hinauszugehen und nicht immer durchs Verfassungsgericht getrieben zu werden, wenn wir der Entwicklung, was das Existenzminimum anbelangt, hinterherhinken. Wir tun genau das, was wir als politische Zielvorstellung haben.

(Zuruf des Abg. Patrick Kurth (Kyffhäuser) (FDP))

Meine Damen und Herren der Regierungsfraktionen, das tun Sie. Sie geben ohne Not den Vermögenden mit vollen Händen und warten bei den Ärmsten, bis das Bundesverfassungsgericht Ihnen aufgibt, wenigstens Almosen zu verteilen. Das ist Ihre politische Zielstellung.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Deshalb weigern Sie sich, eine unabhängige Expertenkommission einzusetzen, die den Kinderregelsatz berechnet, wie es unser Antrag vorsieht. Deshalb weigern Sie sich, bis es diese Expertenkommission gibt und sie einen Vorschlag gemacht hat, die Kinderregelsätze auf das Niveau des Vorschlages des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes anzuheben. Deshalb wird es unter Schwarz-Gelb keinen Weg aus der Kinderarmut geben, und es wird kein Ende der schreienden Ungerechtigkeit bei der Behandlung von Kindern geben. Dagegen werden wir weiterhin etwas unternehmen müssen.

Vielen Dank.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN - Jörn Wunderlich (DIE LINKE): Wo sie recht hat, hat sie recht!)